Bezirksfischereiverband für Ostfriesland e.V. seit 1914

Bezirksfischereiverband für Ostfriesland (BVO) beteiligt sich an groß angelegter Studie. Halbzeitergebnisse des Forschungsprojektes „Baggersee“ im EEZ vorgestellt

“57 Prozent der erwachsenen Niedersachsen haben 2018 Baggersseen zur Naherholung genutzt. 44 % gingen spazieren, 32% baden und 6% gingen an einem Baggersee angeln. Was schätzen Sie, wie viele künstlich angelegte Standgewässer (Baggerseen) gibt es in Niedersachsen?”  So begann am Donnerstagabend Dr. Thomas Klefoth, leitender Biologe im Anglerverband Niedersachsen, seinen Vortrag  vor rund 60 interessierten Zuhörern aus dem BVO und anderen ostfriesischen Anglervereinen, Vertretern der Naturschutzbehörden, Entwässerungsverbände und der Jägerschaft. ”

Auf die tatsächliche Zahl von 35.000 kam niemand

Moderierte in seiner gewohnt lockeren Art durch den Abend: Dr. Thomas Klefoth

Zusammen mit Sven Matern (Leibnitz-Institut Berlin)  und Dr. Jürgen Meyerhoff (technische Universität Berlin) präsentierte Klefoth die Halbzeitergebnisse des Forschungsprojektes „Baggersee“, an dem sich der BVO mit  vier eigenen Gewässern beteiligt.

Dr. Jürgen Meyerhoff, TU Berlin erläuterte die statistischen Erhebungen
Sven Matern, Doktorant am Leibnitz Institut Berlin, erklärte unter anderem die Nährstoffgehalte der untersuchten Gewässer in Zusammenhang mit dem Fischvorkommen

BAGGERSEE ist ein Verbundprojekt aus Wissenschaft und anglerischer Praxis und forscht zur Bedeutung und Aufwertung kleiner künstlicher Standgewässer im Rahmen der nationalen Biodiversitätsstrategie. Insgesamt 20 Angelvereine des AVN mit 35 Gewässern  sind an dem Projekt beteiligt. Sie werden mit praktischen und fischereiwissenschaftlichen Hilfestellungen begleitet, so dass sie ihre Gewässerhege künftig eigenständig nachhaltiger gestalten können. Die Aktionen sollen nicht nur Fischen, Vögeln, Amphibien, Libellen, wirbellosen Wasserlebewesen und Pflanzen zugutekommen. Auch der Mensch profitiert von der Steigerung des ästhetischen und fischereilichen Werts seiner Erholungsgebiete am Wasser. Neben der Flora und Fauna haben wir auch jeden Hundehaufen und jede Mülltüte an den zu untersuchenden Gewässern registriert, so Klefoth.

Auch Fragebögen zur Einschätzung von den ihnen bekannten Gewässern mussten von den Teilnehmern ausgefüllt werden. Sie dienen der weiteren statistischen Erhebungen im Rahmen des Projektes
rund 60 interessierte Zuhörer folgten den Vorträgen
Hoch wissenschaftliche Variablen-Berechnungen (ein Horror für jeden Studenten, O-Ton Thomas Klefoth) wurden anschaulich erklärt

Das Projekt wird seit 2016 gemeinsam gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und läuft noch bis Sommer 2022. Die Fördersumme beträgt rund 1,9 Millionen Euro. Von Anfang an beteiligt sich der BVO an dem Projekt, indem er den Forschern 4 seiner Gewässer zur Untersuchung zur Verfügung stellt. Untersucht wird unter anderem, wie sich völlig unbewirtschaftete, zum Teil unter Naturschutz stehende Gewässer, im Vergleich zu durch Anglervereine bewirtschaftete Gewässer entwickeln und welches die besten Strategien zur Aufwertung des Fischbesatzes sind. So geschieht es auch an den vom BVO zur Verfügung gestellten Gewässern. Zwei Gewässer bleiben unbewirtschaftet, ein Gewässer wurde intensiv besetzt und in einem weiteren letztendlich wurde im Herbst 2017 intensiv Totholz eingebracht (die Presse berichtete) und zusätzlich eine Flachzohne zur Strukturverbesserung hergestellt.

im Herbst 2017 wurde in Collrung massiv Totholz eingebracht

Dieses Gewässer hat sich seitdem hinsichtlich der Artenvielfalt im und am Wasser am besten entwickelt. Dies ist ein erstes Fazit, welches sich aber auch mit den Untersuchungen bei den anderen Vereinen in Niedersachsen deckt, so die Biologen. Alleiniger Fischbesatz hatte schon nach kürzester Zeit kaum einen messbaren Einfluss auf die Artenzusammensetzung. Lediglich bei Hechten und Schleien ließ sich ein leicht positiver Effekt messen. Bei Zandern und anderen Weißfischen verstarben diese offensichtlich schon nach kurzer Zeit nach dem Besatz. Ob diese ersten Feststellungen zufällig eingetreten sind oder auch zukünftig Bestand haben, das soll nun in weiteren Untersuchungen während der restlichen Projektdauer untersucht werden.

Ein gelungener und kurzweiliger Abend mit interessanten Informationen. Da waren sich alle einig.

Anglerverband Niedersachsen (AVN) und Bezirksfischereiverband für Ostfriesland (BVO) präsentieren Erfolg in der Vermehrung von Schlammpeitzgern

Hilko Nieland und Thomas Klefoth

Der Schlammpeitzger, im Volksmund Piepaal oder auch Gewitterfurzer genannt, ist eine kaum bekannte, aber stark gefährdete Kleinfischart. Das neueste Artenschutzprojekt des AVN  soll die Wiederansiedlung dieser Art voranbringen. Derzeit ist das Vorhaben auf Ostfriesland, eines der Kerngebiete niedersächsischer Schlammpeitzgervorkommen, beschränkt. Das Projekt wird gefördert durch die niedersächsische Bingo-Umweltstiftung und die Stadtwerke Emden. Die Fördersumme beträgt rund 36.000 Euro. Praktisch umgesetzt wurden die Vermehrungsversuche in Zusammenarbeit mit dem BVO. Dr. Thomas Klefoth, leitender Biologe des AVN, bezeichnete die Bedingungen in den vereinseigenen Teichen des BVO in Uphusen als optimal. Dennoch verzeichnete man 2018 zunächst herbe Rückschläge.

Thomas Klefoth erklärt das Projekt

Reiher und Kormorane hatten die Aufzucht nahezu vernichtet. Deshalb wurden die Teiche anschließend aufwendig mit Leinen abgespannt. Mit grandiosem Erfolg, die der Biologe,  jetzt zusammen mit Hilko Nieland, erster Gewässerwart im BVO, der Presse präsentierte. Rund 1200 kleine Schlammpeitzger konnten abgefischt und in ausgesuchte Grabensysteme wieder ausgesetzt werden.

Rund 1200 kleine Individuen konnten in die freiheit entlassen werden

Dazu kamen neueste technische Verfahren, das sogenannte “Environmental DNA” Sampling zum Einsatz, um herauszufinden, wo in der Umgebung des Nachzuchtortes Schlammpeitzger vorkommen. Dabei wird lediglich über Wasserproben nachgewiesen, welche DNA von welchen Tierarten im Gewässer vorkommt – womöglich ein absolut zukunftsweisendes Verfahren beim Suchen und Finden seltener und bedrohter Arten – ohne sie durch fischereiliche Eingriffe wie Elektrofischen etc. Stress auszusetzen.

Der Schlammpeitzger ist keine befischbare Art und streng geschützt.


Gewässerwarte der Ortsgruppe Emden unterstützen beim Verteilen der Fische