Bezirksfischereiverband für Ostfriesland e.V. seit 1914

142 Ehrenamtliche setzen über 200.000 Aale in ostfriesische Gewässer

Mittlerweile ist so etwas wie Routine eingekehrt bei Hilko Nieland, zuständig für die Gewässerbewirtschaftung im Bezirksfischereiverband für Ostfriesland (BVO). Und dennoch fiebert er, wie auch die Verantwortlichen des Angelsportvereins Leer, des Sportfischervereins Borkum und der Fischereigenossenschaft Feentjer Tief/Flumm, alljährlich diesem Tag entgegen. Rund 800 Kilo Satzaale galt es, nach den Vorgaben des niedersächsischen Landesamtes für  Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) -Dezernat Binnenfischerei, Fischereikundlicher Dienst- in die ostfriesischen Gewässer auszubringen. “Diesen Ablauf jedes Jahr minutiös zu planen gleicht einer logistischen Meisterleistung und ist nur durch die Bereitschaft so vieler ehrenamtlich tätiger Angler zu schaffen”, so Nieland gegen Mittag dankend an der letzten Abgabestelle am Uphuser Meer bei Emden.

Matthias Litmeier Albe Fischfarm

Seit 07:00 Uhr morgens war der speziell  dafür ausgerüstete Kühllaster einer emsländischen Fischfarm in Ostfriesland unterwegs um die rund 50.000 Euro teure und sehr empfindliche Fracht an die Vereine und Ortsgruppen des BVO zu verteilen. Durch den gemeinsamen Einkauf und der ebenfalls gemeinsamen Antragstellung der EU-Förderung, über den Anglerverband Niedersachsen, konnten bestmögliche Konditionen und somit die größtmögliche Menge des auf der roten Liste stehenden europäischen Aales erworben werden.  Begonnen hatte die Tour in Leer und führte über Timmel, Wiesmoor, Marcardsmoor, Aurich und Südbrookmerland abschließend zum Uphuser Meer bei Emden. Eine Zähl- und Wiegeprobe ergab ein Stückgewicht von rund 4 Gramm, der im Schnitt etwa 7 bis 12cm kleinen Fische.

So werden die kleinen Aale zu den Ortsgruppen transportiert
Aale auf Anhänger

In Südbrookmerland übernahm auch die Ortsgruppe Norden im BVO rund 100 Kilo, also etwa 25.000 Kleine Aale. “Der Ablauf hat wieder einmal bestens geklappt”, freute sich Nieland am Mittag. Auch dass allein der BVO, zusammen mit der Fischereigenossenschaft Fentjer-Tief/Flumm, einen Anteil von rund 680Kilo Aale weitläufig auf die Gewässer verteilen konnte, freute ihn besonders.

Abgabestelle Georgsheil

Wilfried und Berit Heisig, sowie Marc-Rene`Rosendahl freuen sich, stellvetretend für alle BVO-Mitglieder, über rund 25.000 Aale für die Gewässer um Norden.

Mitgliederversammlung 2019

Der Vorstand seit Juni 2018

Einen harmonischen Verlauf erlebten die rund 165 Besucher der Mitgliederversammlung des BVO am Sonntag den 26.Mai. in der Stadthalle in Aurich.

Rund 165 interessierte Zuhörer verfolgten die Sitzung in der Stadthalle. Lediglich einige für die Politik und Presse reservierte Plätze blieben wohl wegen des Wahlsonntages leer.

Zunächst hatten zahlreiche Vertreter aus Politik, Fischerei und Jägerschaft Grußworte an die Versammlung gerichtet. Hierfür an dieser Stelle herzlichen Dank.

Neben einem Rückblick auf das erste Amtsjahr des im vorigen Jahr neu gewählten Vorstandes, standen zahlreiche Ehrungen wegen langjähriger Mitgliedschaft auf dem Programm.

Elso Helmers aus Moormerland ist seit 70 Jahren Mitglied im BVO.

Je 4 Mitglieder sind 65 beziehungsweise 60 Jahre im BVO und 41 Mitglieder halten uns seit 50 Jahren die Treue.

Onno Behrends mit den Anwesenden 65- und 60jährigen Mitgliedern
Onno Behrends mit den Geehrten für 50jährige Mitgliedschaft

Hilko Nieland gab die kurzfristige  Freigabe von vier neuen Gewässern bekannt (näheres demnächst hier auf der Webseite) und Gewässerwart Thorsten Bruns hielt einen sehr interessanten Vortrag zur Bedrohung der Wieken im südlichen Verbandsgebiet.

Thorsten Bruns referierte über die Problematik der Wieken im südlichen Ostfriesland

E.J.

Großes Fischmonitoring nach Fischsterben im Verbindungskanal und Leyhörner-Binnentief

Ein groß angelegtes Monitoring des Fischbestandes im Verbindungskanal (Gewässer Nr. 146) und im Leyhörner-Binnentief (Gewässer Nr. 148), zu dem auch der Hafen Greetsiel gehört, fand am 13. und 14.12.2018 auf Initiative des BVO und des Greetsieler Fischereivereins, unter Leitung des Biologen des Anglerverbandes Niedersachsen, Dr. Thomas Klefoth, statt. Bekanntlich hatte es in diesen Gewässern im Sommer ein massives Fischsterben aufgrund einer dramatischen Versalzung wegen der anhaltenden Dürre in Deutschland gegeben. Über die anschließende, in der Geschichte des BVO und des Greetsieler Fischereivereins einmalige Rettungsaktion, wurde überregional in der Presse berichtet. Mit verschiedenen Fangmethoden versuchten nun zahlreiche Helfer an diesen beiden Tagen den übriggebliebenen Fischbestand einzuschätzen. Neben rund ein Dutzend Angler, welche sich klassisch mit der Raubfischrute auf die Pirsch machten, ging  Biologe Klefoth die Sache höchst wissenschaftlich an. Mit sogenannten “Multi-Maschennetzen” lassen sich verschiedene Fischarten, entsprechend ihrer Körpergröße selektiv fangen. 12 solcher Netze wurden über Nacht im Verbindungskanal ausgelegt und heute wieder eingeholt.

Verbandsbiologe Dr. Thomas Klefoth beim Einholen der Netze

Die Fänge wurden im Hafen Greetsiel genauestens eingeordnet, kartiert und dokumentiert um die Ergebnisse später den Fachbehörden zur Verfügung stellen zu können. Wohl ebenso einmalig wie die Fischrettungsaktion im Sommer war jetzt die Idee und die gelungene Umsetzung des Befischens des Leyhörner Binnentiefs mittels eines Fischkutters. Heiner Kruse, Vorsitzender des Greetsieler Vereins, hatte den Kapitän des Fischkutters Odysseus, Daniel Bruns, sofort von der Idee begeistern können. Sowohl für die Stellnetzfischerei, als auch für die Befischung eines Binnengewässers mittels eines Kutters hatten die zuständigen Behörden die erforderlichen Genehmigungen erteilt. Hierfür sprechen wir bereits an dieser Stelle unseren Dank aus. Über das Ergebnis und der daraus gegebenenfalls resultierenden Rückschlüsse werden wir in den nächsten Tagen, nebst einem Statement des Biologen, in einer ausführlichen Pressemitteilung berichten. Als erstes Fazit können wir feststellen, dass sich die sogenannte Nordseesprotte, eine Heringsart (im regionalen Volksmund “Bliksche” genannt), in den Gewässern massiv etabliert hat und die dominierende Biomasse des Fischbestandes stellt.

Der “Fang der Odysseus” deckte sich mit dem der Stellnetzfischerei

Pressemitteilung vom 15.08.2018

Nach den Brassen sterben die Zander

Dramatische Entwicklung des Fischsterbens im Verbindungskanal

Keine Entspannung durch den Regen der letzten Tage verzeichnet der Bezirksfischereiverband für Ostfriesland (BVO) hinsichtlich des Fischsterbens im Verbindungskanal nahe Greetsiel. Schlimmer noch: Nach dem großen Sterben von Tonnen von Brassen vor etwa zwei Wochen, verendeten in den letzten Tagen hunderte von Zandern, Barschen und Hechten. Unser vorsichtiger Optimismus ging leider nicht in Erfüllung berichtet Eric Jibben, Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit im BVO.  Zunächst hatten wir die Befürchtung, dass im nächsten Jahr die Futterfische für die Raubfische fehlen könnten. Jetzt müssen wir schon einen Totalverlust des Fischbestandes in dem bei Anglern überregional bekannten Zandergewässer in Betracht ziehen. Dies bestätigt auch der leitende Biologe des Anglerverbandes Niedersachsen, Dr. Thomas Klefoth, welcher am Wochenende vor Ort war und eigene Wasserproben untersuchte. Der Salzgehalt, welcher bereits bei Beginn des Fischsterbens in etwa auf dem Niveau von Ostseewasser lag, ist noch weiter gestiegen. Zander können einen gewissen Salzgehalt eigentlich gut vertragen, aber dass hier ist einfach zu viel und die Exposition zu lange, so der Biologe.

ca. 80cm Zander auf der Steinpackung

 

 

Der Wortlaut des Biologen einer kurzfristig zur Lage übersandten Stellungnahme lautet:

Zitat Dr. Thomas Klefoth, Anglerverband Niedersachsen:

Im Zuge der letzten Wochen hat die Salzkonzentration im Wasser kontinuierlich zugenommen und es gibt keine Ausweichmöglichkeiten mehr für die Fische. Daher sterben seit ein paar Tagen auch die Zander und Barsche, obwohl sie relativ tolerant gegenüber Salzwasser sind. Wenn aber die Konzentration über längere Zeit zu hoch wird, ist irgendwann auch für diese Fischarten eine Grenze erreicht. Wenn sich nicht zügig eine Verdünnung mit Süßwasser einstellt, ist ein massenhaftes Sterben der Fische bis zum Totalausfall nicht auszuschließen. Lediglich beim Aal besteht die Hoffnung, dass keine größeren Ausfälle zu beklagen sind. Aale leben teilweise ihr ganzes Leben in der Nordsee und jeder einzelne Fisch überquert am Ende seines Lebens den Atlantik um vor Mittelamerika zu laichen. Daher sind Aale insgesamt besser auf das Leben im Salzwasser angepasst. Wenn sich die Situation in ein paar Monaten wieder normalisiert hat, kann durch standardisierte Netzfischerei überprüft werden, ob einzelne Fische überlebt haben. Darauf basierend muss dann über Strategien für den Neuaufbau der Fischbestände beraten werden.

 

 

Update Fischsterben Greetsiel

Die Idylle trügt.

Trügerische Idylle ?

Kaum vorstellbar, dass hier vor wenigen Tagen das größte Fischsterben seit Jahren in einem BVO-Gewässer stattfand.

Ob sich nach nunmehr knapp zwei Wochen Fischsterben die Lage am Verbindungskanal entspannt, wie heute einigen Tageszeitungen zu entnehmen war, lässt sich derzeit nur schwer einschätzen.

Fakt ist, dass das große Sterben offensichtlich beendet ist.

Zumindest treiben keine frisch verendeten Fische mehr neu auf.

Dieses Fazit ziehe ich aus einer am gestrigen Abend durchgeführten Kontrollfahrt von Greetsiel in Richtung großer Seeschleuse.

Die Frage die sich stellt ist, woran dass liegt? Ist der gesamte Bestand an Brassen betroffen gewesen?

Die Wasserwerte sollten sich kaum verbessert haben. Nennenswerten Niederschlag hat es seit Beginn des Sterbens nicht gegeben. Auch gestern lag die Lufttemperatur gegen 18:00 Uhr noch bei über 30 Grad Celsius.

Nach dem BVO vorliegenden nichtamtlichen Wassertest`s ist der Salzgehalt mit dem des Wassers der Ostsee vergleichbar.

Dies sollte allerdings von Zandern und anderen Raubfischen toleriert werden, so interpretiert Dr. Thomas Klefoth, Biologe beim Anglerverband Niedersachsen die Werte. Bekanntlich zählen die Boddengebiete der Ostsee zu den besten Raubfischgewässern Deutschlands und in der Aquakultur werden Zander bewusst auf eben solche Werte “aufgesalzen” um resistenter gegen verschiedene Pilze und Parasiten zu sein.

Weshalb starben aber Zander im Verbindungskanal?

Darauf haben wir bislang keine Antwort.

Vielleicht war es eine Vermischung verschiedener Ursachen die die Fische massiv gestresst haben. Zum Salz kamen schließlich noch extreme Temperaturen und ein niedriger Sauerstoffgehalt dazu.

Vermutlich stiegen im Verlauf der Verwesungsprozesse der Tonnen von Brassen dann auch noch so fischgiftige Substanzen wie Nitrit und Ammonniak in kritische Höhen.

Diese konnte ich gestern Abend mit dem Gewässerwarten zur Verfügung stehenden Mitteln nachweisen.

BVO-eigene Test`s wiesen Fischgifte nach

Da die Fischkadaver zum Großteil jetzt geborgen wurden, hoffen wir, dass sich die Werte in den kommenden Tagen wieder normalisieren werden.

Den Salzgehalt hingegen kann nur eine längere Regenphase wieder relativieren.

Wie sehr das Gewässer geschädigt wurde können nur die Fangergebnisse der kommenden Jahre zeigen.

Zander auf der Steinpackung am VBK Wir können nur hoffen, dass sich der Bestand erholt.

Derzeit können wir nichts weiter tun, als der Natur Ihren Lauf zu lassen, so auch Biologe Dr. Thomas Klefoth.

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