Bezirksfischereiverband für Ostfriesland e.V. seit 1914

Pressemitteilung vom 15.08.2018

Nach den Brassen sterben die Zander

Dramatische Entwicklung des Fischsterbens im Verbindungskanal

Keine Entspannung durch den Regen der letzten Tage verzeichnet der Bezirksfischereiverband für Ostfriesland (BVO) hinsichtlich des Fischsterbens im Verbindungskanal nahe Greetsiel. Schlimmer noch: Nach dem großen Sterben von Tonnen von Brassen vor etwa zwei Wochen, verendeten in den letzten Tagen hunderte von Zandern, Barschen und Hechten. Unser vorsichtiger Optimismus ging leider nicht in Erfüllung berichtet Eric Jibben, Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit im BVO.  Zunächst hatten wir die Befürchtung, dass im nächsten Jahr die Futterfische für die Raubfische fehlen könnten. Jetzt müssen wir schon einen Totalverlust des Fischbestandes in dem bei Anglern überregional bekannten Zandergewässer in Betracht ziehen. Dies bestätigt auch der leitende Biologe des Anglerverbandes Niedersachsen, Dr. Thomas Klefoth, welcher am Wochenende vor Ort war und eigene Wasserproben untersuchte. Der Salzgehalt, welcher bereits bei Beginn des Fischsterbens in etwa auf dem Niveau von Ostseewasser lag, ist noch weiter gestiegen. Zander können einen gewissen Salzgehalt eigentlich gut vertragen, aber dass hier ist einfach zu viel und die Exposition zu lange, so der Biologe.

ca. 80cm Zander auf der Steinpackung

 

 

Der Wortlaut des Biologen einer kurzfristig zur Lage übersandten Stellungnahme lautet:

Zitat Dr. Thomas Klefoth, Anglerverband Niedersachsen:

Im Zuge der letzten Wochen hat die Salzkonzentration im Wasser kontinuierlich zugenommen und es gibt keine Ausweichmöglichkeiten mehr für die Fische. Daher sterben seit ein paar Tagen auch die Zander und Barsche, obwohl sie relativ tolerant gegenüber Salzwasser sind. Wenn aber die Konzentration über längere Zeit zu hoch wird, ist irgendwann auch für diese Fischarten eine Grenze erreicht. Wenn sich nicht zügig eine Verdünnung mit Süßwasser einstellt, ist ein massenhaftes Sterben der Fische bis zum Totalausfall nicht auszuschließen. Lediglich beim Aal besteht die Hoffnung, dass keine größeren Ausfälle zu beklagen sind. Aale leben teilweise ihr ganzes Leben in der Nordsee und jeder einzelne Fisch überquert am Ende seines Lebens den Atlantik um vor Mittelamerika zu laichen. Daher sind Aale insgesamt besser auf das Leben im Salzwasser angepasst. Wenn sich die Situation in ein paar Monaten wieder normalisiert hat, kann durch standardisierte Netzfischerei überprüft werden, ob einzelne Fische überlebt haben. Darauf basierend muss dann über Strategien für den Neuaufbau der Fischbestände beraten werden.

 

 

Update Fischsterben Greetsiel

Die Idylle trügt.

Trügerische Idylle ?

Kaum vorstellbar, dass hier vor wenigen Tagen das größte Fischsterben seit Jahren in einem BVO-Gewässer stattfand.

Ob sich nach nunmehr knapp zwei Wochen Fischsterben die Lage am Verbindungskanal entspannt, wie heute einigen Tageszeitungen zu entnehmen war, lässt sich derzeit nur schwer einschätzen.

Fakt ist, dass das große Sterben offensichtlich beendet ist.

Zumindest treiben keine frisch verendeten Fische mehr neu auf.

Dieses Fazit ziehe ich aus einer am gestrigen Abend durchgeführten Kontrollfahrt von Greetsiel in Richtung großer Seeschleuse.

Die Frage die sich stellt ist, woran dass liegt? Ist der gesamte Bestand an Brassen betroffen gewesen?

Die Wasserwerte sollten sich kaum verbessert haben. Nennenswerten Niederschlag hat es seit Beginn des Sterbens nicht gegeben. Auch gestern lag die Lufttemperatur gegen 18:00 Uhr noch bei über 30 Grad Celsius.

Nach dem BVO vorliegenden nichtamtlichen Wassertest`s ist der Salzgehalt mit dem des Wassers der Ostsee vergleichbar.

Dies sollte allerdings von Zandern und anderen Raubfischen toleriert werden, so interpretiert Dr. Thomas Klefoth, Biologe beim Anglerverband Niedersachsen die Werte. Bekanntlich zählen die Boddengebiete der Ostsee zu den besten Raubfischgewässern Deutschlands und in der Aquakultur werden Zander bewusst auf eben solche Werte “aufgesalzen” um resistenter gegen verschiedene Pilze und Parasiten zu sein.

Weshalb starben aber Zander im Verbindungskanal?

Darauf haben wir bislang keine Antwort.

Vielleicht war es eine Vermischung verschiedener Ursachen die die Fische massiv gestresst haben. Zum Salz kamen schließlich noch extreme Temperaturen und ein niedriger Sauerstoffgehalt dazu.

Vermutlich stiegen im Verlauf der Verwesungsprozesse der Tonnen von Brassen dann auch noch so fischgiftige Substanzen wie Nitrit und Ammonniak in kritische Höhen.

Diese konnte ich gestern Abend mit dem Gewässerwarten zur Verfügung stehenden Mitteln nachweisen.

BVO-eigene Test`s wiesen Fischgifte nach

Da die Fischkadaver zum Großteil jetzt geborgen wurden, hoffen wir, dass sich die Werte in den kommenden Tagen wieder normalisieren werden.

Den Salzgehalt hingegen kann nur eine längere Regenphase wieder relativieren.

Wie sehr das Gewässer geschädigt wurde können nur die Fangergebnisse der kommenden Jahre zeigen.

Zander auf der Steinpackung am VBK Wir können nur hoffen, dass sich der Bestand erholt.

Derzeit können wir nichts weiter tun, als der Natur Ihren Lauf zu lassen, so auch Biologe Dr. Thomas Klefoth.

Massives Fischsterben im Leybucht-Verbindungskanal

Massives Fischsterben im Leybucht-Verbindungskanal

Ein massives Fischsterben beschäftigte am Wochenende die Angler der Ortsgruppe Norden im Bezirksfischereiverband für Ostfriesland sowie des Angelsportvereins Greetsiel.  Am frühen Freitagabend gingen mehrere Anrufe bei der Leiterin der Ortsgruppe Norden, Manuela Rosendahl,ein. Diese schickte unverzüglich mehrere Mitglieder der Ortsgruppe an den Schadensort, welche sofort  mit der Bergung der Kadaver begannen. Parallel informierte sie den Vorstand des BVO, welcher sich über die Vorstandsmitglieder Holger Flick und Eric Jibben ein Bild von der Lage machte. Hilko Nieland, erster Gewässerwart des BVO war im Bereich Großefehn und Wiesmoor im Einsatz, wo es in den Wieken ebenfalls zu dramatischen Situationen wegen des Wassermangels gekommen war. Der Vorstand des BVO  bezeichnete die Lage am Abend als katastrophal. Zentnerweise große Brassen und zum Teil kapitale Raubfische fielen dem Fischsterben bislang zum Opfer. Über die Ursache lässt sich zur Zeit nur spekulieren. Wassermangel war es, anders als in den Wieken im südlichen Landkreis, im Verbindungskanal sicher nicht. Vielmehr mutmaßen die Petrijünger, dass es zu einer Übersalzung im Rahmen eines fehlenden Wasseraustausches in den vergangenen Wochen gekommen ist. Über die Seeschleuse kommt immer wieder Salzwasser in den Kanal, wo hingegen der Süßwasserzustrom aus dem Einzugsgebiet des Norder-Tiefes gänzlich ausgeblieben ist. Es ist wohl ein natürliches witterungsbedingtes Phänomen, dem wir machtlos gegenüber stehen, so die Verantwortlichen des BVO. Hilko Nieland ordnete indes dann auch an das Einsammeln der Kadaver vorerst zu stoppen. Dies zu organisieren sei Angelegenheit der zuständigen Gefahrenabwehrbehörden, welche noch am Abend vom BVO informiert wurden. Ihnen obliegt es auch die endgültige Ursache zu ermitteln. Wir unterstützen wo wir nur können, so der BVO. Aber diese Dimension übersteigt unsere Kapazität. Wir konzentrieren uns derzeit darauf “zu retten was noch zu retten ist”, d.h. noch lebende Tiere aus trocken zu fallenden Gewässern umzusetzen, so Nieland. Hier gilt schon jetzt den vielen Helfern mein Dankeschön. Parallel zum BVO war die Feuerwehr Greetsiel, zusammen mit Mitgliedern des dortigen Anglervereins im Hafen Greetsiel im Einsatz (www.gf-krummhoern.de).

Sparsamer Umgang mit Wasser erforderlich (Pressemitteilung)

Pressemitteilung 26.07.2018

Sparsamer Umgang mit Wasser erforderlich

Angesichts der anhaltend trockenen Witterung fangen viele Gartenbesitzer an, ihre Rasenflächen zu beregnen. Neben Wasser aus der Leitung wird dazu auch Wasser aus oberirdischen Gewässern und dem Grundwasser verwendet. Wasser aus der Leitung wird aus Kostengründen weniger gern verwendet. Zudem weist der OOWV als größter Wasserversorger in der Region darauf hin, dass auch bei ausreichender Versorgung sparsam mit Leitungswasser umgegangen werden sollte. Die Wasserwerke müssen bereits mehr Wasser als üblich zur Verfügung stellen.

Die Entnahme von Wasser aus Gräben führt angesichts der niedrigen Wasserstände zu weiteren Beeinträchtigungen für Fische und Amphibien. Viele Gräben und kleinere Teiche sind bereits trockengefallen. Größere Teiche und Baggerseen weisen ebenfalls niedrigere Wasserstände als in Jahren mit durchschnittlichem Niederschlag auf.

Die untere Wasserbehörde beim Landkreis Aurich weist darauf hin, dass jede Entnahme von Wasser mit maschinengetriebenen Pumpen aus oberirdischen Gewässern und dem Grundwasser einer behördlichen Erlaubnis bedarf. Angesichts der ausgewöhnlich trockenen Witterung kann diese jedoch nur in besonders begründeten Fällen in Aussicht gestellt werden.

Die Wasserknappheit in den Gewässern ist mittlerweile auch ein großes Thema beim Bezirksfischereiverband für Ostfriesland (BVO), der viele Gewässer in Ostfriesland bewirtschaftet. Der BVO und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN Aurich) sehen, wie in einem Gespräch mit dem Landkreis Aurich zum Ausdruck kam, keine Möglichkeit, unter Wassermangel leidende Gewässer mit zusätzlichem Wasser aus anderen Gewässern aufzufrischen. Dadurch werden nur Probleme verlagert und Schäden an anderen Gewässern herbeigeführt. Der BVO hat zudem seine Mitglieder aufgefordert, gefährdete Fischbestände nach Möglichkeit zu bergen und in Gewässer mit besserer Qualität umzusetzen.

Die Entnahme von Wasser ohne die erforderliche Erlaubnis kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Bislang ist es dazu noch nicht gekommen. Der Landkreis Aurich wird jedoch zum Schutz der

Gewässer Kontrollen vornehmen und Maßnahmen zur Einstellung der Wasserentnahme anordnen und Bußgeldverfahren einleiten.

Wassermangel – Fischsterben im Verbandsgebiet

Liebe Anglerkollegen, Fischereiaufseher und Gewässerwarte, Obleute, Anwohner der Gewässer und alle Mithelfenden. .

Auf Grund der lang anhaltenden Trockenheit scheint sich die Lage nunmehr extrem zu entwickeln.Die Hilferufe laufen bei uns stündlich ein. Betroffen davon sind quasi unser gesamtes Verbandsgebiet, besonders aber die Wieken und kleinere Kanäle in den Fehn- und Moorgebieten.
Eine Wetteränderung ist z. Zt. wohl kaum in Sicht und etwaige Regenfälle werden sich dann wohl erst mit sehr hoher zeitlicher Verzögerung und dann mit entsprechenden Fremdlasteinträgen auswirken. Eine sehr hohe Blaualgenentwicklung ist teilweise schon jetzt gegeben.
Die Leitfähigkeit des Wassers hat auf Grund der sehr starken Verdunstung und damit der Konzentration der ohnehin vorhandenen Schadstoffe in dem Restwasser extrem zugenommen. Die Sauerstoffkonzentration wird auch noch begünstigt durch die hohe Temperatur extrem abnehmen.

Die nachstehende Mail von Gestern für euch zur Kenntnis.

Meldungen über erneute Fischsterben und erhöhten Sauerstoffzerrungen liegen uns jetzt auch ganz massiv aus den Bereichen Südbrookmerland, Moormerland und sogar der Krumhörn und Greetsiel vor. Auch im Wittmunder und Auricher-Bereich ist die Situation nicht anders. Die Moore und Feuchtgebiete geben kein Wasser mehr ab. Die Entwässerungsverbände haben alle möglichen Abschottungen geschlossen.

Im Anhang erhaltet ihr vorweg den Pressebericht des Landkreises Aurich zur Information. Er wird vermutlich morgen in den Tageszeitungen erscheinen. Es ist quasi eine gemeinsame Erklärung der Wasserbehörde, der Naturschutzbehörde, des NLWKN, des Entwässerungsverbandes und der Kommunen sowie des BVO.

Dieser Pressebericht wurde bewusst kurz  und allgemein gehalten. Die Presse wird das Thema sowieso in den nächsten Tagen abarbeiten.

Beim heutigen Ortstermin in Ihlow wurde leider eindeutig festgestellt, dass aus anderen Bereichen unserer Kanäle und Wieken kein Wasser schadlos um- bzw. abgeleitet werden kann. Wir würden nur noch andere Gewässer in sehr kurzer Zeit erheblich gefährden.  Die einzige Möglichkeit wird es in Wiesmoor durch die Ableitung aus dem Nord-Georgsfehn-Kanal geben, aber leider auch nur in zeitlichen Abständen und nur in dem Maße, dass der Wasserspiegel im oberen Bereich des Ems-Jade-Kanal nicht extrem abfällt. Zwischen den Schleusen Wiesens und Upschört befinden wir uns nun mal auf einer natürlichen Erhöhung. Daher meine eindringliche Bitte an alle Anglerkollegen. Soweit möglich, versucht bei entsprechenden Feststellungen die bedrohten Tiere mit den zur Verfügung stehenden Mitteln –unsere Ortsgruppen sind entsprechend ausgerüstet, auch wenn es vermutlich nicht reichen wird- abzufangen und in entsprechend geeignete BVO-Gewässer umzusetzen.Die letzten Beobachtungen haben gezeigt, dass unsere Kleinfische beim Erreichen der Oberfläche von regelrechten Möwenschwärmen und Fischreihern abgeerntet werden. Aus diesem Grunde finden wir hauptsächlich noch größere und auch äußerst kapitale Exemplare vor.

Wir hoffen auf eure Unterstützung. Bitte setzt euch mit den Obleuten in Verbindung.

Ich bin auch jederzeit für euch erreichbar.

 

Hilko Nieland

BVO Gewässerangelegenheiten und Fischereiaufsicht.